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Der Erste Angriff

Zum Verständnis von Erforderlichkeit und Ausmaß des Ersten Angriffes bedarf es einiger einführender Worte zur Bedeutung des kriminalistischen Tatortes. Da der Tatort der wichtigste Lieferant von Informationen (Spuren) ist und somit Spiegelbild der Tat und des Täters sein kann, ist das wichtigste Ziel des Sicherungsangriffes der Schutz des Tatortes und der darin enthaltenen materiellen Spuren mit ihrem Informationsaufkommen.

Grundlage hierfür bildet die Annahme, dass sich das in der Vergangenheit liegende, kriminalistisch relevante, aufzudeckende und zu untersuchende Ereignis als Ganzes in dem Milieu, in dem es sich ereignet, widerspiegelt. Anders ausgedrückt, die Wirkungen, die das zugrunde liegende Ereignis erzeugt, ergeben in ihrer Gesamtheit ein Bild des Ereignisses.

Bei dem sogenannten Ersten Angriff handelt es sich um ein Maßnahmebündel welches die Abwehr von Gefahren, die Sicherung des Tatortes, das Treffen erster wesentlicher Feststellungen zum Tathergang und das Erheben des Tatbefundes zum Inhalt hat. Darüber hinaus sind alle Maßnahmen zur Täterergreifung bzw. der dazu führenden Beweisaufnahme zu treffen. Hierbei ist eine sofortige Informationsweitergabe unabdingbar. Nur so kann eine schnelle Ergreifung von Tätern gewährleistet werden.

Von großer Bedeutung ist ein funktionierendes Informationsmanagement. So hätte nach den Anschlägen in Paris 2015 der flüchtige Terrorhelfer Salah Abdeslam längst hätte gefasst werden können. Er wurde wenige Stunden nach den Anschlägen, in seinem Auto kontrolliert und durfte weiterfahren. Zu diesem Zeitpunkt war schon seit mehreren Stunden bekannt, dass Abdeslam der Mieter eines Autos war, das an einem der Tatorte zurückgelassen wurde.

Die polizeiliche Einflussnahme auf das Geschehen am Tatort beginnt dabei schon mit der Entgegennahme der telefonischen Meldung (Notruf). Neben der Abfrage aller für den Sachverhalt bedeutsamen Informationen soll der Mitteilende gebeten werden, dafür zu sorgen, dass am Tatort nichts verändert wird und beteiligte sowie unbeteiligte Personen vom Tatort ferngehalten werden.

Hauptaufgabe ist es, alle für das weitere Strafverfahren bedeutsamen Informationen vor Verlust und Veränderung zu schützen und diese in der Folge für das Verfahren verfügbar zu machen. Der Tatort ist oft wichtigster Informationsträger bezüglich eines in der Vergangenheit liegenden Ereignisses. Die Ermittlung des Täters/der Täter, die Rekonstruktion des Tatherganges, die Beweisaufnahme und Beweiswürdigung im Hauptverfahren und somit der Ausgang des Strafverfahrens basieren auf diesem Informationsaufkommen.

Am Tatort gewonnene Informationen stellen nicht selten Beweismittel dar und erlangen in weiteren Verfahren eine entsprechende Bedeutung.


Bedingt durch die Organisation der Polizei werden meist Beamte des Wach- und Wechseldienstes der Schutzpolizei die Ersten sein, die an einem Tatort eintreffen. Somit obliegt ihnen der Schutz des Tatortes vor Beeinträchtigungen und Zerstörung und eine unmissverständliche Dokumentation der von ihnen vorgefundenen Situation.

Das Erheben des Tatbefundes ist im Regelfall Aufgabe der hierfür spezialisierten Kräfte der Kriminalpolizei bzw. der Kriminaltechnik.

Als grober Überblick über die wichtigsten Maßnahmen am Tatort im Rahmen des Ersten Angriffs dient das folgende Schaublatt. Insbesondere sei auf die Abgrenzung zwischen Sicherungsangriff und Auswertungsangriff bezogen auf den objektiven und subjektiven Tatbefund verwiesen.

 

Der Erste Angriff als Kombination aus Sicherungsangriff und Auswertungsangriff zur Sicherung und Erhebung des objektiven und subjektiven Tatbefundes am kriminalistischen Tatort
 
Jeder Tatort ist anders – jede Tatortarbeit muss aufgrund der im speziellen Fall herrschenden Umstände und Bedingungen durchgeführt werden. Ohne situatives Handeln und Tun geht dies nicht. Situativ entscheiden
bedeutet jedoch nicht, dass im Umgang mit Spuren und Sachbeweisen Kompromisse eingegangen werden.
Für einen erfolgreichen Ersten Angriff am Tatort gibt es keine zweite Chance!
 
Das setzte einen hohen Maßstab an die fachlichen Fähigkeiten der handelnden Personen.
 
Die folgende Grafik stammt von Dr. W. Peter Pfefferli, Forensic Science Institute Zurich, Zurich, Switzerland.
 Der Erste Angrif aus polizeilicher Sicht                                                                        Der Erste Angriff aus polizeilicher Sicht