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Forensische Biologie

Biologische Spuren/Vergleichsmaterialien umfassen folgende Gruppen von Untersuchungsmaterialien: Anschmelzspuren, Faser-/Textilspuren, Haarspuren, blutverdächtige Substanzen, Zigarettenkippen, Kontakt-/Gebrauchsspuren, sekret-/exkretverdächtige Substanzen, Wangenschleimhautabstriche etc.

Die forensische Biologie (auch Kriminalbiologie genannt) gliedert sich im Wesentlichen in die Fachrichtungen Genetik, Serologie (Blutgruppenkunde), Entomologie (Insektenkunde) und Botanik. Sie bedient sich innerhalb der Bereiche zahlreicher kriminalbiologischer und gerichtsmedizinischer Techniken. Davon sind die bekanntesten die Untersuchung von Leicheninsekten (forensische Entomologie)sowie die Erstellung und Analyse genetischer Fingerabdrücke. Diese und andere Methoden haben in den letzten Jahren für immer größere Aufmerksamkeit gesorgt und führten nicht selten zur Aufklärung interessanter Fälle.

 Oder direkt bei youtube Dem Verbrechen auf der Spur - Der Faktor Blut

"Mit der Erfolgsgeschichte der DNA-Analyse in der Kriminalistik stellt sich jetzt immer häufiger die Frage nach einer vergleichbaren Beweiswertsteigerung bei Spuren tierischen oder pflanzlichen Ursprungs“, sagt Dr. Uwe Schleenbecker vom Kriminaltechnischen Institut des BKA, Abteilung Pflanzen-, Tier- und Bodenspuren. Schleenbecke war bereits 2004 in dem weltweit ersten Präzedenzfall dieser Art involviert: Damals wurde ein Mörder aufgrund eines Eichenblattes überführt, nachdem die Spurensicherung hatte nachweisen können, dass das Eichenblatt im Kofferraum seines Autos von genau einem Ursprungsbaum direkt am Fundort der Leiche stammte – während der Täter immer behauptet hatte, dort niemals gewesen zu sein. Der Abgleich der ermittelten genetischen Merkmale einerseits aus dem gefundenen Eichenblatt, andererseits der Eiche am Leichenfundort trug entscheidend zur Urteilsfindung bei. Seit diesem Fall werden verstärkt neue molekulargenetische Verfahren bei der Auswertung von pflanzlichem oder auch tierischem Untersuchungsmaterial in Strafverfahren eingesetzt.[1]

Die folgende Grafik verdeutlicht den möglichen Ursprung am Tatort zu erwartenden Spurenmaterials:

DNS_Spuren.jpg


Fliegen mögen nervig sein. Im Bereich der forensischen Biologie gelten sie und ihre Maden jedoch als wertvolle Zeugen. Anhand des Entwicklungsstadiums der Insekten können Kriminalbiologen die Liegezeit einer Leiche bestimmen und teilweise sogar feststellen, wo jemand umgebracht wurde.

Dazu werten die Forensiker alle Spuren aus, inklusive der Blutspuren und der Reste von Pflanzen und anderem biologischen Material. Doch nicht nur bei aktuellen Fällen hilft die forensische Biologie, auch Verbrechen, die Jahre oder Jahrzehnte zurückliegen, können dank moderner Verfahren aufgeklärt werden. Dabei umfasst die Arbeit der Forensiker vor allem die Auswertung von DNA-Beweisen. Schon kleinste Spuren von Blut oder Hautpartikeln reichen inzwischen, um einen Täter überführen zu können.

Ein kurzes Beispiel sei an dieser Stelle erwähnt (nach Benecke [2]):

"Ein Mann meldete sich bei der Lebensversicherung seiner Frau und forderte seine Todesfallprämie ein. Weil die Frau aber erst seit drei Tagen vermisst gemeldet war, wurde der Versicherungsangestellte misstrauisch. Er erklärte dem Mann, dass der Tod seiner Frau unbewiesen sei, solange die Leiche oder ein eindeutig identifizierbares Leichenteil fehle. Acht Tage später meldete sich der Mann bei der Polizei. Er hatte den abgeschnittenen Kopf seiner Frau angeblich in einem Graben vor seinem Haus gefunden; wie er dorthin gelangt sei, wisse er nicht.

Die Rechtsmediziner stellten anhand des Aussehens der Schnittwunde fest, dass der Kopf erst nach Todeseintritt abgetrennt worden war. Daher fragten sich die Ermittler, ob der Ehemann den Kopf selbst abgeschnitten hatte, um der Versicherung ein Leichenteil zu präsentieren, das die Todesursache nicht erkennen ließ, oder ob der Kopf schon vor dem eventuellen Versicherungsbetrug vom Rumpf getrennt worden war. Ersteres würde den Mann stark tatverdächtig machen, letzteres könnte ihn vielleicht entlasten.

Die forensische Insektenkundlerin fand an der Schnittfläche des Kopfes, nicht aber an Augen, Nase und Ohren, Maden der Schmeißfliege Calliphora vomitoria. Das bedeutet, dass die Leiche samt Kopf zunächst an einem Ort gelegen hatte, an dem sie Insekten unzugänglich war. Andernfalls hätten schwangere Fliegen ihre Eier auf die Augen der Leiche abgelegt, und es wären dort Fraßspuren entstanden. Erst als der Kopf abgeschnitten und ins Freie gelegt wurde, konnten die Schmeißfliegen ihn erreichen. Nun war für die Tiere aber die Schnittfläche attraktiver (das heißt für die Maden leichter anzufressen) als die Augen oder Ohren. Aus den Daten zur Außentemperatur und der Größe der Maden ergab sich schließlich, dass der Kopf ungefähr zu der Zeit abgetrennt und ins Freie gelegt wurde, als der Ehemann mit der Versicherung gesprochen hatte. Er wurde später zu lebenslanger Haft verurteilt, eine Berufungsverhandlung war erfolglos und die Lebensversicherung verweigerte die Zahlung."

Der Fall, den man als ersten Fall mit forensischen entomologischem Hintergrund beschreiben kann, stammt aus dem 13. Jahrhundert und wird von einem chinesischen Juristen und Todesermittler namens Sung Tz'u in seinem rechtsmedizinischem Lehrbuch als der sog. "Mord im Reisfeld" beschrieben. Ein toter Mann wurde in einem Reisfeld gefunden, er wurde mit einer Sichel ermordet. Da es keine Verdächtigen gab, wusste man zunächst nicht, wie man den Fall lösen könnte. Bis der Jurist Sung Tz’u alle Sichelbesitzer auf dem Dorfplatz versammeln ließ. Sie sollten ihre Sicheln vor sich in die Sonne legen. Schon nach einigen Minuten hatten sich Fliegen aus der Umgebung auf eine Sichel gestürzt, nämlich auf die eines Schuldners des Ermordeten. Sung Tz’u klärte den Fall auf: Auf der Sichel des Schuldners befanden sich winzigste Gewebe- und Blutspuren die für das menschliche Auge nicht mehr sichtbar waren. Die Fliegen, die sich von Blut ernähren, können dieses auch in sehr kleinen Mengen riechen. Somit war der Mörder überführt und die Anfänge der Forensischen Entomologie geschaffen.

In Deutschland hingegen tauchten erst ab etwa 1855 erste rechtsmedizinische Fallbeispiele auf. Den Schritt "von der reinen Fallbetrachtung zur wissenschaftlichen, geplanten Untersuchung" wurde allerdings erst 1881 vom dem Dresdener Arzt Reinhard vollzogen.

Literatur:

[1] http://www.derwesten.de/panorama/die-hexenkueche-der-fahnder-id6035910.html

[2] Benecke, M., www.benecke.com/febook.html